Der Krieg auf Twitter

| 4. Mai 2018 | 0 Kommentare

Welche Lehren wurden aus der Syrien-Krise gezogen

Vladimir Putin und Bashar al-Assad in Russland

Vladimir Putin und Bashar al-Assad in Russland

Die paar Monate des Wartens auf eine amerikanische Intervention gegen Syrien und eine mögliche Reaktion Russlands werden sicherlich in die Geschichte eingehen. Vielleicht klang die Phrase “Krieg mit Russland” seit der Zeit der Karibikkrise nicht mehr so bedrohlich. Durch das besonnene und zurückhaltende Verhalten des russischen Militärs wurden bisher glücklicherweise viele Opfer vermieden. Statt den Feind auf dem Schlachtfeld zu zerstören, greift das Militär heute immer öfter über die neuen Medien wie soziale Netzwerke an.

Die militärische Operation der Russen in Syrien war von Anfang an in der Presse weit verbreitet. Die russische Armee hat damit feste Positionen im Informationsraum eingenommen und nutzt ihre dortige Dominanz aktiv. Die Strategie des russischen Militärs, im Zuge der Krise zwischen Moskau und Washington, die Deutungshoheit in den Nachrichten über chemische Angriffe in Syrien zu erringen, ist aufgegangen. Washington hat Bashar al-Assad vorhersehbar beschuldigt. Aber zum ersten mal wurden direkte Drohungen gegen Russland ausgesprochen. Die ganze Welt beobachtete mit stockendem Atem die Twitter-Meldungen des amerikanischen Präsidenten, der in diesen Tagen der wichtigste Nachrichtenmacher war.

Die Kriegsrhetorik zwischen den beiden Atommächten erschreckte viele Menschen ernsthaft. Trumps Gegner aus Moskau zögerten nicht, darauf zu reagieren und drohten damit, auf Syrien abgefeuerte Raketen abzuschießen, die das russische Militär offiziell zur Verteidigung gegen den Islamischen Staat im Irak und der Levante (ISIL) stationiert hat. Die Russen hatten jedoch ein weiteres Ass im Ärmel. Das Verteidigungsministerium fand und interviewte Ärzte, die die angeblichen syrischen Opfer der Chemieangriffe untersuchten. Den Ärzten zufolge handelte es sich um einen Medien-Coup, der nichts weiter als Fiktion ist. Auch Militärvertreter deuteten an, dass es keine ausreichenden Beweise für einen solchen Angriff gibt, darunter Großbritannien. Danach änderte sich der Tonfall der Vereinigten Staaten von Amerika – Premierministerin May äußerte Zweifel an den von Washington vorgelegten Beweisen für den Einsatz chemischer Waffen.

Es ist nicht bekannt, wie das Weiße Haus und Washington die Strategie für weitere Maßnahmen diskutierten. Aber der kriegerische Eifer des amerikanischen Präsidenten ist deutlich erlahmt. Russland hat erneut die Wirksamkeit seiner Raketenabwehrsysteme gezeigt. Es zeigt sich, dass die russische Eindämmungspolitik, die auf der breiten Bekanntheit ihrer militärischen Fähigkeiten beruht, Früchte trägt. Auch die Besonnenheit des russischen Militärs sorgt abermals dafür, dass der Konflikt bisher nicht zu einem militärischen zwischen den beiden Großmächten wurde.

Der Beitrag Der Krieg auf Twitter stammt von NORTEXA.

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